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KOLLOQUIUM

20. Kolloquium BBIV: Großprojekte erfolgreich managen

Beim 20. Kolloquium „Investor – Hochschule – Bauindustrie“ in München ging es um die Voraussetzungen erfolgreichen Bauens. Vier Referenten berichteten, wie sich Beteiligung, Planung und Ausführung großer Vorhaben verlässlich organisieren lassen.

30. September 2026
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Wie Großprojekte gelingen

Thomas Schmid stellte das erfolgreiche Management von Großbauprojekten in den Mittelpunkt seiner Einführung zum 20. Kolloquium „Investor – Hochschule – Bauindustrie“. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbands eröffnete am 29. September 2026 einen Abend, zu dem der Verband gemeinsam mit dem TUM-Lehrstuhl für Bauprozessmanagement ins Münchner Oscar-von-Miller-Forum eingeladen hatte. Den Lehrstuhl leitet Prof. Dr.-Ing. Konrad Nübel.

Die vier Referenten erläuterten, wie sie neue Lösungen entwickelten, indem sie technische Verfahren, eingespielte Planungsabläufe und die Zusammenarbeit der Beteiligten überprüften, um die herausfordernden Großbauprojekte erfolgreich zu meistern. Ihre Erfahrungen zeigten, wie viel davon abhängt, ob ein Projekt Raum für solche Überlegungen lässt und ob aus einer guten Idee eine gemeinsam verantwortete Entscheidung werden kann.

Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner: Aktive Trägerschaft ermöglichen

Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner ist wissenschaftlicher Direktor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) und war unter anderem Präsident der TU Darmstadt sowie Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Am Frankfurter Flughafenausbau erläuterte er, welchen Spielraum eine Mediation eröffnen kann, wenn sie die Bedürfnisse hinter den gegensätzlichen Forderungen ergründet. Die Luftverkehrsseite verlangte zusätzliche Kapazität, die Anwohner wollten vor allem vor Lärm geschützt werden. Daraus entstand ein Paket, das die neue Landebahn mit einem Nachtflugverbot, einem Anti-Lärm-Pakt, betrieblichen Verbesserungen und einem dauerhaften Dialog mit der Region verband. Befürworter und Gegner konnten an solchen Vereinbarungen mitarbeiten, ohne ihre grundsätzliche Haltung zum Ausbau aufzugeben.

Prof. Wörner zeigte am Beispiel lärmärmerer Anflugverfahren, wie sich durch kreative Lösungen auf die Anliegen der Ausbaugegner eingehen lässt. Die gemeinsame Arbeit an solchen Verbesserungen schafft Spielraum für eine Verständigung, die den Schutz der Anwohner mit der Verwirklichung des Projekts verbindet.

Mit seiner Forderung nach „aktiver Trägerschaft“ verband Prof. Wörner den Anspruch, dass Betroffene ihre Interessen in die Entwicklung eines Vorhabens einbringen und an einer Lösung mitwirken können, die sie selbst unterstützen. Dafür muss Beteiligung früh beginnen und über die Genehmigung hinaus wirksam bleiben. Ob dieses Vertrauen trägt, entscheidet sich auch daran, wie konsequent Zusagen eingehalten werden. Prof. Wörner bestand deshalb darauf, das Mediationspaket als Ganzes zu bewahren, und widersprach öffentlich, als das vereinbarte Nachtflugverbot aufgeweicht werden sollte. Seine seit 26 Jahren ehrenamtlich ausgeübte Aufgabe verstand er als gesellschaftliche Verpflichtung. Die Unabhängigkeit dieser Rolle gehörte für ihn zur Glaubwürdigkeit des Verfahrens.

Dipl.-Ing. Tossan Souchon: Parallel planen und fundiert entscheiden

Dipl.-Ing. Tossan Souchon ist Mitgründer und CEO der Schweizer Archipel Generalplanung AG und war zuvor in leitenden Funktionen bei Hochtief und Allreal tätig.

Souchon stellte einen Planungsansatz vor, der Veränderungen zulässt und zugleich die Kontinuität der Arbeit sichert. Größere Änderungswünsche werden parallel zur laufenden Hauptplanung als eigenständige Varianten ausgearbeitet. Der Bauherr kann ihre Auswirkungen prüfen und anschließend entscheiden, ob sie übernommen werden. Mit diesem Prinzip des „Set Based Design“ bleiben Alternativen offen, während die Planung weiter voranschreitet.

Darin liegt für Souchon ein wesentlicher Beitrag zum Erfolg langjähriger Großprojekte. Anforderungen können sich verändern, und eine frühe Festlegung kann sich später als ungeeignet erweisen. Wer Alternativen parallel entwickelt, schafft die Grundlage, solche Entscheidungen rechtzeitig zu korrigieren, ohne den gesamten Planungsprozess wiederholt anzuhalten. Die zusätzliche Planungsarbeit soll damit kostspielige Unterbrechungen und das Festhalten an überholten Lösungen vermeiden.

Dieser Spielraum braucht eigene Planungskapazitäten und einen verbindlichen Zeitpunkt für die Entscheidung, der vom Bauablauf aus rückwärts bestimmt wird. Souchon verbindet das Vorgehen mit Lean Design und einer engen Zusammenarbeit zwischen Bauherrn und Planenden. Gemeinsam werden Abhängigkeiten geklärt und Entscheidungen vorbereitet. Vertrauen ist dabei eine praktische Voraussetzung, um Schwierigkeiten offen anzusprechen und neue Lösungsansätze überhaupt zur Diskussion zu stellen.

Prof. Dr.-Ing. Jochen Teizer: Erkenntnisse in die Baustelle zurückführen

Prof. Dr.-Ing. Jochen Teizer forscht an der Technischen Universität Dänemark (DTU) zu digitalen Verfahren für mehr Sicherheit und Produktivität auf Baustellen.

Den Wert dieser Verfahren bemisst er daran, ob sich mit ihnen die tatsächlichen Arbeitsbedingungen verstehen und verbessern lassen. Arbeitsschutz und Produktivität hängen für ihn eng zusammen. Ungünstig geplante Abläufe können Menschen gefährden und zugleich die Ausführung behindern. Wer diese Zusammenhänge genauer untersucht, findet Ansatzpunkte für Verbesserungen, die beiden Zielen dienen.

Prof. Teizer beschrieb digitale Zwillinge als Verbindung zwischen Planung und tatsächlichem Baustellengeschehen. Kameras, Drohnen und Sensoren liefern Informationen darüber, wie gearbeitet wird, wo Maschinen stehen und welche Gefahren entstehen. Die Auswertung muss anschließend wieder in die Praxis zurückfließen. Aus einer erkannten Annäherung zwischen einem Arbeiter und einer rückwärtsfahrenden Maschine kann beispielsweise eine konkrete Besprechung über sicherere Abläufe werden. Ebenso lassen sich fehlende Schutzbarrieren oder Aufenthalte unter schwebenden Lasten untersuchen. Gemeinsam mit den Beschäftigten sollen daraus Veränderungen entstehen, die Unfälle verhindern.

Wie weit dieser Forschungsansatz reichen kann, zeigte ein Bauvorhaben auf dem eigenen Campus. Dort wird unter einem Wetterschutzzelt mit Portalkränen gearbeitet. Untersucht wird, wie die geschützte Arbeitsumgebung den Bauablauf verändert und ob vermiedene wetterbedingte Unterbrechungen zeitliche Vorteile schaffen. Eine erste Simulation deutet darauf hin, die Datenerhebung steht jedoch noch am Anfang. Auch der Platzbedarf beim Bewegen und Wenden von Bauteilen muss berücksichtigt werden. Der neue Ansatz wird damit auf seine Wirkung unter tatsächlichen Baustellenbedingungen geprüft.

Für Prof. Teizer gehört zu dieser Forschung eine Lernkultur, in der Unternehmen und Hochschulen gemeinsam erproben können, was sich verbessern lässt. Dazu entwickelt sein Team auch virtuelle Lernumgebungen und Spiele, in denen die Beteiligten Bauabläufe, Abhängigkeiten und Sicherheitsrisiken nachvollziehen können. Das Wissen aus der Forschung soll auf diese Weise für die Menschen verfügbar werden, die ihre Entscheidungen täglich auf der Baustelle treffen.

Dipl.-Ing. Martin Holfelder: Ausführung gemeinsam vorbereiten

Dipl.-Ing. Martin Holfelder verantwortet seit 2018 die Infrastruktur im Vorstand der Firmengruppe Max Bögl, nachdem er mehr als 30 Jahre in leitenden Funktionen im Infrastrukturbau gearbeitet hatte.

Seine Erfahrungen vom Fehmarnbelttunnel, von SuedLink und vom Südring in Groningen zeigen, wie stark die Ausführbarkeit eines Großprojekts von Entscheidungen außerhalb der einzelnen Baustelle abhängt. Beim Fehmarnbelttunnel müssen die industrielle Fertigung der Elemente, ihre Bereitstellung im Hafen, der Seetransport und das Absenken aufeinander abgestimmt sein. Der Nutzen der Vorfertigung ergibt sich erst im Zusammenspiel mit der Logistik und den verfügbaren Wetterfenstern. Wiederholbare Abläufe helfen, Qualität und Termine auch bei einer solchen Größenordnung verlässlich zu organisieren.

Bei SuedLink stellte Holfelder die Abhängigkeiten entlang einer Trasse heraus. Fehlt die Freigabe für einen Abschnitt oder verzögert sich eine anspruchsvolle Querung, hat das Folgen für den Einsatz von Personal und Gerät an anderen Stellen. Ein gemeinsames Geoinformationssystem verbindet deshalb den räumlichen Überblick mit dem tatsächlichen Projektstand. Planung, Genehmigungen und Baufortschritt werden zusammen sichtbar, sodass die Beteiligten Engpässe rechtzeitig erkennen und die Ausführung darauf abstimmen können.

In Groningen entstand die Lösung für den Umbau des Südrings aus der gemeinsamen Arbeit mit Stadt und Land. Bauphasen unter Verkehr wurden mit gezielten Sperrungen, Umleitungen und zeitweise erhöhten Baukapazitäten kombiniert. Die Verkehrsführung und die Auswirkungen auf die Anwohner bestimmten den Bauablauf mit. Ihre frühzeitige Berücksichtigung schuf erst die Voraussetzungen, unter denen sich der technische Entwurf umsetzen ließ.

Holfelder leitete daraus die Forderung ab, das Wissen der ausführenden Unternehmen früher einzubeziehen. Im niederländischen Bauteam-Modell werden Ausführbarkeit, Logistik, Kosten und Risiken bereits gemeinsam untersucht, bevor Preis und Bauvertrag abschließend feststehen. Damit können Erfahrungen aus der Baupraxis die Lösung noch beeinflussen. Die spätere Kostenfestlegung und der geringere klassische Preiswettbewerb erfordern allerdings klare Regeln für Transparenz und Zusammenarbeit.

Auch die Verteilung der Risiken muss zur tatsächlichen Einflussmöglichkeit der Beteiligten passen. Wer ein Risiko vertraglich übernimmt, ohne es beherrschen zu können, wird vor allem seine eigene Absicherung betreiben. Faire Vereinbarungen, klare Entscheidungsrechte und ein gemeinsamer Kenntnisstand schaffen nach Holfelders Erfahrung bessere Voraussetzungen, Probleme früh offenzulegen und zu bearbeiten. Seine Zuversicht in die Leistungsfähigkeit der Bauindustrie verband er deshalb mit der Erwartung, dass Auftraggeber und Auftragnehmer Risiken und Entscheidungen früh gemeinsam verantworten. Für die Entwicklung neuer Lösungen ist entscheidend, dass Ausführungswissen zu einem Zeitpunkt einfließt, an dem sich das Projekt noch gestalten lässt.

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